Lebensversicherung als wichtiges Anlageprodukt privater Haushalte

Wien (OTS) – In Zusammenhang mit der zum Teil negativen Realverzinsung hielten sich die Investitionen in Finanzanlagen im dritten Quartal des vergangenen Jahres eher begrenzt. Nur rund 1,3 Mrd. EUR betrug das Investitionsvolumen der privaten Haushalte in diesem Bereich. Davon waren Lebensversicherungen das wichtigste Anlageprodukt, einerseits als Sparinstrument, andererseits als Tilgungsträger. Die Nachfrage nach Krediten stieg wieder an.

Bis September 2010 sparten die privaten Haushalte 8,8% ihres verfügbaren Einkommens – 2009 lag die  Sparquote bei 11,1%  entsprechend der Daten der Statistik Austria. Somit zeichnet sich weiterhin ein Rückgang des Sparens ab. Diese Entwicklung ist im Wesentlichen eine Folge des nominell (wie auch real) wachsenden Konsums verbunden mit einem leicht sinkenden verfügbaren Einkommen. Letzteres resultiert insbesondere aus einem deutlichen Rückgang der Vermögenseinkommen.

Gemäß den Daten der Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung betrug der Vermögensaufbau privater  Haushalte in Finanzanlagen im dritten Quartal 2010 1,3 Mrd EUR. Von Jänner bis September 2010 investierten private Haushalte damit insgesamt 7,0 Mrd EUR in Finanzanlagen. Das ist nur mehr rund  halb so viel wie im Vergleichszeitraum 2009. Das gesamte Finanzvermögen kletterte nicht zuletzt aufgrund anziehender Wertpapierkurse im dritten Quartal 2010 auf einen Wert von 450,2 Mrd EUR. Die Ansprüche privater Haushalte gegenüber Lebensversicherungen stiegen im dritten Quartal 2010 um 0,8 Mrd EUR und waren damit die wichtigste Stütze in deren Vermögensaufbau. 

Lebensversicherungen wurden sowohl als Anlageprodukt als auch als Tilgungsträger für endfällige Kredite verwendet. Daneben flossen rund 0,2 Mrd EUR in Ansprüche gegenüber Pensionskassen.  Diese beiden Formen der langfristigen Absicherung machten in den ersten drei Quartalen 2010 3,1 Mrd EUR und damit knapp weniger als die Hälfte der gesamten Geldvermögensbildung privater  Haushalte aus. Die Ansprüche aus Lebensversicherungen und gegenüber Pensionskassen betrugen  Ende September 2010 83,3 Mrd EUR.

Hinsichtlich Wertpapierinvestitionen waren private Haushalte im Jahr 2010 tendenziell wieder auf der Käuferseite. Sie erwarben im dritten Quartal 2010 handelbare Wertpapiere im Umfang von knapp 0,6  Mrd EUR. Die Investitionen konzentrierten sich auf inländische Unternehmens- und Bankenanleihen sowie auf in- und ausländische Investmentzertifikate. Netto verkauft wurden trotz steigender Kurse börsennotierte Aktien inländischer Unternehmen. Wertpapierbesitzer verzeichneten zusätzlich im  dritten Quartal 2010 einen Anstieg ihrer Portefeuilles in Höhe von 1,9 Mrd EUR aufgrund steigender Wertpapierkurse. Der aktuelle Marktwert lag Ende September 2010 mit 93 Mrd EUR auf dem Niveau  von vor vier Jahren.

Trieben in den letzten drei Jahren insbesondere die höheren Einlagenbestände bei Banken den  Vermögensaufbau an, so entschieden sich private Haushalte zwischen Juli und September 2010, wie  schon im ersten Quartal 2010, dazu ihre Einlagenbestände zu verringern. Per saldo zogen private  Haushalte Gelder von Sicht- und Spareinlagen in einer Höhe von insgesamt 0,8 Mrd EUR ab. Diese  Entwicklung fand im Umfeld niedriger nominellen Zinsen statt. Bedingt durch einen leichten Inflationsanstieg auf rund 1,7% im dritten Quartal 2010 wurden täglich fällige Gelder und Einlagen mit Bindungsfristen von bis zu zwei Jahren im Durchschnitt real sogar negativ verzinst. Ende September 2010 waren Einlagen in Höhe von rund 155 Mrd EUR bei inländischen Banken davon betroffen, was  den Rückzug unterstützt haben dürfte. Der Einlagenbestand ging zum Ultimo September 2010 auf 204,5 Mrd EUR zurück, 150 Mrd EUR davon machten Spareinlagen bei inländischen Banken aus.

Das gesamte Finanzvermögen (dazu zählen Bargeld, Einlagen, verzinsliche Wertpapiere, Aktien und sonstige Beteiligungen, Investmentzertifikate, Ansprüche gegenüber Versicherungen, Pensionskassen und betrieblichen Vorsorgekassen sowie sonstige finanzielle Aktiva, nicht jedoch  Immobilienbesitz) der österreichischen Privatanleger erreichte im September 2010 einen Wert von 450,2 Mrd EUR – ein Plus von 2,3% gegenüber Dezember 2009. Im Vergleich zum ersten Halbjahr  stieg die Neuverschuldung mit rund 0,9 Mrd EUR im dritten Quartal 2010 deutlich an. Während Fremdwährungskredite bereits seit rund einem Jahr laufend netto getilgt wurden, findet die  Verschuldung aus Ersatz- und Neukrediten nur mehr in Euro statt. Private Kreditnehmer verschuldeten sich im dritten Quartal 2010 im Umfeld einer sich stabilisierenden Kreditpolitik der Banken vor allem für Wohnbauzwecke (0,7 Mrd EUR). Die Zinssätze der Banken für Neukredite waren sowohl für  Konsum- als auch für Wohnbauzwecke leicht ansteigend.

Private Haushalte hatten zum Ultimo September 2010 Kreditschulden in Höhe von 156,9 Mrd EUR, rund 101 Mrd EUR davon entfielen auf Wohnbaukredite. Zu diesem Stichtag waren bei inländischen Banken Fremdwährungskredite im Ausmaß von 37 Mrd EUR ausstehend, davon 27,5 Mrd EUR in Form von endfälligen Krediten mit Tilgungsträgern.