VKI: Verbesserungspotential bei der Kundenfreundlichkeit von Versicherern

 

Wien (OTS/VKI) – Nur vier von 28 Versicherungsunternehmen waren bereit, mit dem Verein für Konsumenteninformation (VKI) über das Thema Kundenfreundlichkeit zu sprechen. Gefragt wurden wurde zum Beispiel zu den Zahlscheingebühren oder dem Unterjährigkeitszuschlag. Auskunft erhielt der VKI von der HDI, Tiroler Versicherung, Wüstenrot und Zürich. Alternativ wurden knapp 100 Versicherungsmakler zur Zufriedenheit mit der Schadensabwicklung befragt. Das Ergebnis zeigt, dass in diesem Punkt besonders die Versicherungen Donau, Generali, HDI und Zürich gut bewertet werden. Insgesamt jedoch kann in puncto Kundenfreundlichkeit noch deutlich ausgebaut werden. Bei den übrigen Versicherern fallen die Bewertungen je nach Sachlage von sehr gut bis nicht zufriedenstellend aus. Wie groß ein Versicherer ist, spielt dabei keine Rolle, denn große Versicherungen steigen bei der Befragung nicht grundsätzlich besser aus als kleine. Die Testergebnisse im Detail können in der Septemberausgabe des Testmagazins "Konsument" sowie unter www.konsument.at nachgelesen werden.
 
Da die Abläufe bei der Schadensabwicklung nicht in allen Versicherungsbereichen gleich sind und darüber hinaus manche Anbieter nur in bestimmten Bereichen aktiv sind, wurde bei der Befragung der Versicherungsmakler nach einzelnen Sparten unterschieden: Gut schneiden etwa bei der  Schadensabwicklung in der Haushaltsversicherung und Eigenheimversicherung Donau, Generali und HDI ab.  Sehr negativ beurteilten die Makler dagegen BAWAG Versicherung, Bank Austria Versicherung und s Versicherung. Bei der Schadensabwicklung in der Kfz-Haftpflicht konnten Donau, Generali, Grazer Wechselseitige, Helvetia, VAV, Zürich und insbesondere HDI punkten. Nicht ganz zufrieden sind die Makler in diesem Bereich dagegen mit Allianz, Uniqa und der Wiener Städtischen. Zudem wurde noch  die Zufriedenheit mit der Schadensabwicklung in den Bereichen Kfz-Kaskoversicherung, Unfallversicherung, Rechtschutzversicherung sowie Krankenversicherung erhoben. In der genannten Reihenfolge schneiden dabei HDI, Janitos, ARAG und Merkur jeweils am besten ab.
 
Unterjährigkeitszuschlag:
Es geht auch ohne Kundenfreundliches Vorgehen ist auch im Bereich des Unterjährigkeitszuschlages möglich. Dieser wird verrechnet, wenn die Prämie nicht jährlich bezahlt wird. Je kürzer der Einzahlungsrhythmus ist, desto teurer wird die Prämie in der Regel. Wie Untersuchungen des VKI immer wieder zeigen, verweist nicht jede Versicherung automatisch auf die Einsparungsmöglichkeit der jährlichen Zahlung. Dass es auch anders geht, zeigt die aktuelle Erhebung: Weder HDI noch Tiroler Versicherung verrechnen  Zuschläge im Falle einer unterjährigen Zahlung.
 
Aus für Zahlscheingebühren in Sicht
Auch im Bereich der Zahlscheingebühr fällt die Tiroler Versicherung positiv auf. Von den vier  Versicherern, die dem VKI Rückmeldung gaben, verzichtet diese gänzlich auf die Verrechnung von Zahlscheingebühren. "Und diese läppern sich: Was mit Gebühren zwischen 0,58 und 2,50 Euro  beginnt, ergibt bei monatlicher Zahlung unter dem Strich ein ansehnliches Körberlgeld", erläutert VKI-Projektleiter Walter Hager. Ein Ende der Zahlscheingebühren  scheint allerdings in greifbarer  Nähe. Bis ein Machtwort des Höchstgerichtes gesprochen ist, ist es allerdings ratsam, die Zahlscheingebühr zu bezahlen – wenn auch mit Vorbehalt. "Wir raten allen Kunden, von denen eine  Zahlscheingebühr eingehoben wird, schriftlich (eingeschrieben und Kopie aufheben) gegenüber dem Unternehmen klarzustellen, dass weitere Zahlungen des Zahlscheinentgeltes kein Anerkenntnis  darstellen, sondern nur vorbehaltlich rechtlicher Klärung und Rückforderung bezahlt werden", erklärt Dr. Julia Jungwirth, Juristin im Bereich Recht. "Wenn dann eine höchstgerichtliche Entscheidung  vorliegt, werden diese Unternehmen die kassierten Entgelte den Kunden zurückzuzahlen haben."
 
Rückforderung von Dauerrabatten gesetzwidrig
Ein weiteres Indiz für die Kundenfreundlichkeit von Versicherungen ist der Umgang mit Dauerrabatten. Mittlerweile hat der Oberste Gerichtshof (OGH) entschieden, dass Bestimmungen zur Rückforderung von Dauerrabatten in Versicherungsverträgen gesetzwidrig sind. Falls Konsumenten ihren  Versicherungsvertrag in den vergangenen 30 Jahren vorzeitig aufgelöst haben und mit einer Rabatt- Nachforderung bestraft wurden, kann der Betrag vom Versicherer zurückgefordert werden. Entsprechende Musterbriefe finden sich auf der Seite des VKI-Bereiches Recht unter  www.verbraucherrecht.at. Sollte die Rückzahlung verweigert werden, kann der Bereich Recht per E-Mail unter dauerrabatt@vki.at bzw. unter der Postanschrift VKI, Bereich Recht, Linke Wienzeile 18, 1060  Wien kontaktiert werden.